«Zunächst einmal verdauen»

(Quelle BAZ, 9. Oktober 2002, Auszug)

Als Werner Schneeberger 1999 die Leitung der Geschäftsstelle beim FC Basel übernahm, da spielte der Club noch auf der Schützenmatte. Der heute 38-jährige Kaufmann erweiterte im Hinblick auf den Umzug in den St.-Jakob-Park die Administration sukzessive. Nachdem Roger Hegi Anfang dieses Jahres beim FCB die Stelle als CEO angetreten hatte, arbeitete Schneeberger im Mandatsverhältnis als Event- und Marketingmanager. Dabei kümmerte er sich in diesem Herbst vornehmlich um die Infrastruktur für die Champions-League-Spiele.

Schneeberger verlässt den FCB spätestens per Ende Februar 2003, um sich vermehrt seiner eigenen Firma zu widmen. Möglicherweise wird er auch künftig kleinere Aufträge für den Schweizer Meister ausführen. Als eine Art Nachfolger übernimmt der 33-jährige Markus Laub am 1. November 2002 auf der Geschäftsstelle die Bereiche Marketing, Events und Ticketing. Laub studierte an der Hochschule St. Gallen.

BaZ: Werner Schneeberger, warum verlassen Sie den FC Basel?

Werner Schneeberger: Weil ich einerseits der Meinung bin, dass Ende Jahr ein Ziel erreicht ist. Der FCB steht ­ sportlich und administrativ ­ hervorragend da. Es ist etwas beendet. Deswegen fehlt mir auch ein wenig die Herausforderung. Zweitens will ich mich seit längerem selbstständig machen, die Firma steht schon, und wenn ich je erfolgreich sein will, dann ist der Zeitpunkt jetzt sicher günstig.

Was machen Sie denn genau?

Marketing mit dem Spezialgebiet Events sowie Unternehmensberatung.

Wenn Sie die FCB-Geschäftsstelle von 1999 mit der heutigen vergleichen, was fällt besonders auf?

Natürlich vordergründig die neuen Büros. Dahinter aber beispielsweise die EDV-Struktur und vor allem das Team. Damals hatten wir acht Stellen, heute 20. Mit Ausnahme des FCB-Urgesteins Barbara Bigler (Assistentin von CEO Roger Hegi; Red.) habe ich alle diese Leute eingestellt.

Sie waren oft der Sündenbock, wenn etwas nicht klappte. Kann man als FCB-Geschäftsführer überhaupt die Mehrheit der Kundschaft zufrieden stellen?

Sicher, ich denke, dass rund 90 Prozent der Klientel mit uns zufrieden sind. Nur: Die melden sich halt weniger schnell als die Unzufriedenen. Man steht schon in der Öffentlichkeit, aber das gehört beim FCB einfach dazu, das wusste ich vorher. Letztlich zählt das Resultat, und aus meiner Optik stimmt das. Wir haben kaum mehr Fluktuationen im Team ­ in einem Team, das mehrere ‹Erdbeben› überstehen musste wie etwa die Stadioneröffnung. Der FCB verfügt heute, von der Dimension und der Qualität her, über eine im Schweizer Fussball einzigartige Geschäftsstelle.

Hängt Ihr Abgang mit dem Wechsel im Präsidium zusammen?

Das war nicht der ausschlaggebende Punkt, allenfalls beeinflusste der Wechsel mein Timing. Dass René C. Jäggi ein Freund von mir ist, mit dem zusammen ich manches Projekt durchgezogen habe, ist ein offenes Geheimnis. Jäggi war der beste Lehrer in meinem Leben, er hat mir vorgelebt, was Unternehmertum ist. Und jetzt möchte ich mit Vollgas in die Selbstständigkeit.

Welche Herausforderungen erwarten die Geschäftsstelle in Zukunft?

Zunächst einmal gilt es zu verdauen, was in Rekordzeit aufgebaut wurde. Wir hatten ein unglaublich schnelles Wachstum. Der ganze Rest hängt massgeblich von der ersten Mannschaft ab. Erreicht diese in der Champions League den dritten Gruppenrang, dann gibts zwei Uefa-Cupspiele. Schafft sie gar das Wunder und wird Zweiter, dann müssten innert kürzester Frist die Rahmenbedingungen für sechs weitere Champions-League-Partien geschaffen werden. Der Rest der Arbeit auf der Geschäftsstelle betrifft vorderhand eigentlich nur noch Verfeinerungen.

Wie sehen Sie die Entwicklung im Streit zwischen dem FCB und der Stadionbetreiberin Basel United?

Im täglichen Umgang, gerade auch jetzt in der Champions League, funktionierten wir auf unserer Ebene hervorragend. Die Querelen finden auf einem anderen Level statt. Da gibt es Diskussionen um mögliche Synergien.

Verdanken Sie letztlich dem FCB Ihre Selbstständigkeit?

Dafür braucht es verschiedene Faktoren. Ein gutes Produkt, ein Basiswissen, ein Beziehungsnetz und Referenzen. Die beiden letzten Punkte erfüllten sich in meinem Fall sicher dank dem FCB, dank der Exponiertheit meines Jobs. Aber Beziehungen alleine garantieren keinen Erfolg. Letztlich habe ich René C. Jäggi meine Selbstständigkeit zu verdanken. Die Zusammenarbeit mit ihm war ein Stahlbad. Und ein solches gehört zu einer guten Lehre.

Interview Georg Heitz

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