(Quelle BAZ, 1. April 2004, Auszug)
Die Mittlere Brücke ist beflaggt mit seinem Konterfei, in der Freien Strasse wurde zu seinen Ehren ein «Egypt House» eingerichtet, und im Spätsommer wird gar ein Doppelgänger von ihm eine Prozession durch die Stadt anführen: Der ägyptische Pharao Tutanchamun wird in den kommenden Monaten weit über das Antikenmuseum hinaus das Basler Stadtbild prägen.
Basel. Ehre, wem Ehre gebührt: Unter diesem Motto werden gegenwärtig in Basel wenn nicht alle, so doch viele Hebel in Bewegung gesetzt, um einer der bekanntesten Persönlichkeiten der Weltgeschichte einen würdigen Empfang zu bereiten. Was sich im Moment hinter den Kulissen in und um das Antikenmuseum abspielt, hätte selbst einem schon zu Lebzeiten wie ein Gott verehrten Herrscher wie Tutanchamun wohl mächtig Eindruck gemacht.
Von Peter Wittwer
Quer über die Stadt verteilt, begegnen wir auf überdimensionalen Transparenten, Fahnen, Bier-Etiketten und in Schaufenstern dem goldenen Anlitz des jungen Pharaos. Er hat seit der Entdeckung seines unversehrten Grabes durch den britischen Archäologen Howard Carter unser Bild vom alten Ägypten wie kein Zweiter geprägt.
Am stärksten spürbar ist das Tutanchamun-Fieber sicher am St.-Alban-Graben, wo ab nächstem Dienstag unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen 50 Prachtstücke aus dem mehrere tausend Teile umfassenden Grabschatz des Tutanchamun ausgestellt sind. Wenige Gehminuten vom Antikenmuseum entfernt, entsteht gegenwärtig aber ein zweites Epizentrum, von dem aus der Virus der Ägypten-Begeisterung in die ganze Stadt hinausgetragen werden soll. Im Auftrag des Antikenmuseums und des Stadtmarketings hat Werner Schneeberger mit seiner Event-Agentur an der Freien Strasse ein so genanntes «Egypt House» eingerichtet, das als Anlaufstelle und Zentrum für die unzähligen Side-Events dienen soll, die in den nächsten Wochen im Umfeld der Basler Tutanchamun-Show geplant sind.
Museums-Shop und Kinderhort
Untergebracht ist das «Egypt House» im Theater Scala, das - von wenigen Veranstaltungen abgesehen - seine Räumlichkeiten in den nächsten sechs Monaten vollumfänglich für diesen Zweck vermietet hat. Das «Egypt House» soll dabei weit mehr als bloss eine gedeckte Wartezone und Begegnungsplattform für Ausstellungsbesucher sein. Mit Dokumentarfilmen über die Funde im Tal der Könige, einem Museums-Shop und einem stilgerechten Catering-Angebot wendet es sich ausdrücklich auch an Leute, die sich (noch) nicht zum Kauf eines Ausstellungs-Tickets haben entschliessen können. Gleiches gilt für den Kinderhort, der während der Öffnungszeiten des Museums im Scala eingerichtet wird: Für fünf Franken in der Stunde können dort nicht nur Eltern, die ungestört die Reise durchs «goldene Jenseits» antreten wollen, ihre Sprösslinge fachkundig betreuen lassen.
Neben diesen öffentlich zugänglichen Aktivitäten nutzt Schneeberger das «Egypt House» auch für geschlossene Veranstaltungen im Umfeld der Ausstellung. Bereits sehr grosse Resonanz gefunden hat die Möglichkeit, das Besucherzentrum für Geschäftsanlässe mit Apéro, Führung und anschliessendem Nachtessen zu mieten. Nach Angaben des ehemaligen FCB-Geschäftsführers gibt es bis zu den Sommerferien nur noch wenige Termine, die nicht mit solchen Anlässen ausgebucht sind.
Konzerte und ein Umzug
Zu den Aufgaben Schneebergers gehört es auch, mit speziellen Aktionen ausserhalb des «Egypt House» das Tutanchamun-Fieber in der Stadt immer wieder von neuem anzuheizen - und zwar als Ergänzung zu den Führungen, Filmreihen und Konzerten, die das Antikenmuseum selbst anbietet. Mehr als nur ein Hirngespinst sind Pläne, im Spätsommer eine originalgetreue Rekonstruktion des Hofstaats von Tutanchamun durch die Stadt ziehen zu lassen.