«Das Phantom des Messeturms»

(Quelle BAZ, 15. November 2003, Auszug)

Kaum jemand wollte sich die offizielle Eröffnung des Messeturms mit Live-Darbietung von Musical-Grösse Florian Schneider entgehen lassen. Entsprechend herrschte gestern Abend grosser Andrang.

Basel. Wer anlässlich der Messeturm-Eröffnung zum Apéro von gestern Abend wollte, hatte seine liebe Mühe: Im Foyer des Gebäudes herrschte drangvolle Enge. Einlass hatten nur jene, die den richtigen blauen Bändel am Handgelenk trugen. Pech für die Hotelgäste (mit gelbem Bändel): Um an die Rezeption zu gelangen, mussten sie entweder einen kleinen Umweg in Kauf nehmen oder sich durch die Massen kämpfen. Dann war das grosse Warten angesagt.

Erst als Moderator Werner Schneeberger zum Mikro griff, kam wieder etwas Bewegung in die Sache. Schneeberger bezeichnete die Erbauer des Turms, die Firma Swiss Prime Site, sowie den Kanton Basel-Stadt als Gastgeber Nummer eins respektive zwei. Nach der Kurzansprache hiess es, nach draussen auf den Messeplatz zu gehen und der Live-Show zu harren. Im leichten Nieselregen standen nebst den Regierungsräten Barbara Schneider und Ralph Lewin sowie den geladenen Gästen auch unzählige beschirmte Schaulustige. Gemeinsam blickte man gebannt auf die grossen Lautsprecher und die kleine Bühne. Offensichtlich wollten die Veranstalter möglichst weiträumig auf die Eröffnung des Turms aufmerksam machen, denn die Konserven-Klänge, die aus den Boxen drangen, waren ausgesprochen laut und wohl noch meilenweit zu vernehmen. Das kegelartige Scheinwerferlicht begann über den Messeturm zu hüpfen und die Musik wechselte zu schwelgerischen Tönen hinüber. Es durfte also jeden Moment mit dem Auftritt der einheimischen Musical-Grösse Florian Schneider gerechnet werden.

Doch der schien trotz passendem Sound vorerst einfach auszubleiben. Nur wer in Richtung Turmspitze blickte, begriff, was vor sich ging. Alles Gute kommt bekanntlich von oben, weshalb man sich wohl dazu entschloss, den Stargast von den höchsten Stockwerken herab langsam die Fassade herunterzufahren. Und dies in einem rot eingekleideten Fensterputzgefährt. Je mehr sich Schneider in seiner «Gondel» dem Erdboden näherte, desto kecker wurde das farbenfrohe Licht-Spiel der Scheinwerfer. Auf Höhe des 10. Stockwerkes begannen Schneider und seine blonde Begleiterin gesanglich ins Geschehen einzugreifen. Das Titelstück aus «Phantom of the Opera», die Paraderolle des Baselbieters, wurde voller Inbrunst und Sangeskraft nach unten geschmettert. Der in kompletter Phantom-Montur auftretende Schneider forderte: «Sing for the tower» (Sing für den Turm).

Nach der künstlerischen Darbietung übergab Schneeberger nach «vielen Stunden Arbeit und auch vielen Diskussionen über den Turm» den symbolischen Goldschlüssel an Markus Graf von Prime Site. Worauf dieser auch noch den neuen Brunnen einweihte. «Ich freue mich, diesen allen Baslerinnen und Baslern und allen Gästen zur Verfügung zu stellen.» Wer nicht geladen war, also nicht ins grosse Festzelt durfte, flanierte noch ein wenig herum, knipste ein paar Fotos und huschte alsbald dem Messeplatz und dem Regen davon.

Michael Gasser

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